Page 6 - Fundsachen (Leseprobe)
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zubereitet, riss Pepe sie ihm auch schon aus der Hand und beäugte den Teller
misstrauisch, bevor er sich auf dem Absatz umdrehte und wieder ins Esszimmer
abrückte. Was für ein Schwachmat. Alois wusste nicht viel über den aalglatten
undurchsichtigen Pepe, auch nicht, ob das sein richtiger Name war, vom
Nachnamen ganz zu schweigen. Dennoch hatte er schnell durchschaut, wie sehr
die rechte Hand des Chefs es liebte, sich dramatisch in Szene zu setzen. Der Typ
fühlte sich furchtbar wichtig. Außerdem war er einer, der nach unten trat und
nach oben buckelte. Genau deshalb verachtete Alois ihn. Papperlapapp. Er
wollte sich nicht länger damit beschäftigen. Dafür blieb keine Zeit. Schnell den
Wei o Bode is he u d da …
Alois blieb wie erstarrt stehen, als er sah, was im Wein auf dem Boden
schwamm. Körner. Wo kamen die denn her? Der Boden war eben noch tipp
topp gewesen, da war er sich sehr sicher. Er hob nacheinander seine Füße.
Seine Schuhsohlen waren weit davon entfernt, dreckig zu sein. Alois runzelte
die Stirn. - Deswegen hatte der Lackaffe eben so komisch geguckt. Sofort nahm
er den Teller mit dem Salat und ging zur Spüle. Das musste er sich genauer
ansehen. Er schüttete den restlichen Rotwein, so gut es ging in den Ausguss ab
und inspizierte den Inhalt des Tellers gründlich. Neben Rucola, Gurkenscheiben
und Tomatenspalten waren Oliven und rote Zwiebelstückchen zu sehen. Doch
wo kamen die winzigen Klümpchen her? Bei genauerer Betrachtung
entpuppten sie sich als seltsam aussehende Samenkörner. Wie kleine Käfer sah
das eklige Zeug aus. Alois runzelte die Stirn. Wie kam das in seine, mit Liebe
zubereitete Salatvorspeise? Sicher war nur, dass ER keine Getreidekörner in den
Salat getan hatte.
Ein leise blubberndes Geräusch holte ihn aus seiner Grübelei und ließ ihn
aufschrecken.
Die Suppe.
Himmel Herrgott! Was für ein Tag.
Schnell entsorgte er den verdorbenen Salat und ging zum Herd, um die
Zucchinicremesuppe mit einem Schuss Sahne und frischer Kräutern
abzuschmecken.
Während er seine Hände an der Kochschürze abwischte, warf er noch einen
Blick in den Backofen. Zufrieden registrierte er, dass der Auflauf zur Hauptspeise
nicht in Gefahr war. Er richtete ein Tablett mit drei vorgewärmten Suppentassen
an und sah auf die Uhr. Einen Moment hatte er noch, bis er den nächsten Gang
servieren konnte. Auch dafür gab es hier ein klares Ritual. Erst wenn der Herr
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