Page 4 - Überraschungsgeschenke
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Monate. Da konnte noch einiges passieren. Cathi wollte stattdessen viel lieber
verreisen. Spontan fiel ihr Südfrankreich ein. In ihrer Jugend war sie mal dort
gewesen und hatte schöne Erinnerungen daran. Gedankenverloren ging sie vor
der menschenleeren Haltestelle auf und ab. Leise pfiff der Wind durch die
offenen Stellen unter und über den Seitenwänden. Nur allein der Gedanke, sich
auf die kalten Plastikstühle setzen zu müssen, ließ sie frösteln. Lieber zählte sie
Asphaltflecken, die freigetreten zwischen Rollsplitt und vereister Schneedecke
hervorlugten. Dabei kam ihr die Diskussion mit Babs wieder in den Sinn.

  "Mensch, jetzt sei kein Frosch. So eine Party macht doch Spaß. Ich helfe dir
beim Organisieren", hatte Babs sie damals bei diesen Worten beschwörend
angesehen.

"Aber du kennst mich, ich bin nicht gerade die Ausgeburt einer
Stimmungskanone", hatte Cathi zu bedenken gegeben.

  "Du musst doch nicht selbst den Clown machen. Dafür gibt es andere."

  "Meinst du, das passt zu mir? Auf gar keinen Fall möchte ich eine Fete, auf
der das einzige Highlight die Menükarte und das anschließende Essen ist."

  "So einen Quatsch habe ich lange nicht gehört", hatte Babs entrüstet gerufen
und Cathi erst gar nicht zu Wort kommen lassen.

  "Wenn ich dir bei der Planung helfe, wird es so ein Seniorentreffen nicht
geben, da kannst du dich drauf verlassen."

  "Okay, ich denke darüber nach."

  "Findest du nicht auch, dass es an der Zeit ist, einiges in deinem Leben zu
überdenken und zu ändern. Kevin ist es nicht wert, dass du dich so verkriechst,
und der runde Geburtstag wäre eine gute Gelegenheit, um einen Schlussstrich
unter die ganze Geschichte zu setzen."

  Babs hatte sich bei diesen Worten wieder etwas beruhigt. Doch ihr
eindringlicher Blick, eine Mischung aus Herausforderung und
Besorgtheit, war Cathi noch in bester Erinnerung geblieben. Aus gutem Grund
drängte die Freundin sie seit längerem, ihr Leben wieder neu in die Hand zu
nehmen. Bestimmt würde sie es im umgekehrten Falle genauso machen. Doch
Cathi fand einfach keinen Weg aus dem Dilemma. Noch immer spürte sie
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